
Am Samstag und Sonntag der
FedCon XIX präsentierte der Fotograf Josef Philipp in einem zweiteiligen Diavortrag einen Blick hinter die Kulissen von "Battlestar Galactica".
Philipp war für die Bebilderung des Propworx-
Auktionskatalogs zuständig und gehört damit zu den letzten Menschen, die das "Battlestar"-Set betreten konnten. Mirco Neubauer (xshrekx) hat sich beide Panels angeschaut und hier für Sie die interessantesten Stellen zusammengefasst.
Weiterführender Text:Josef Philipp erzählte, dass er wie so viele andere auch seine Science-Ficition-Wurzeln bei Star Trek hatte. Irgendwann wuchs in ihm der Wunsch, einige Originalrequisiten zu besitzen. Er kaufte eine Uniform und dann noch eine und noch eine und schnell wuchs daraus eine beeindruckende Sammlung.
Irgendwann wollte er dann diese Star Trek Leidenschaft mit seiner zweiten Passion verbinden: dem Fotografieren. Er lichte seine komplette Sammlung ab. Alec Peters wurde auf das Fotoarchiv aufmerksam und muss es im Gedächtnis behalten haben. Als nämlich Peters' Firma Propworx den Auftrag bekam, die BSG Requisiten zu versteigern, fiel im Josef Philips "Star Trek"-Fotoarchiv ein und er beauftragte ihn mit der Erstellung der Kataloge zur Auktion.
VancouverUnd so kam es, dass Josef Philip während der Dreharbeiten zu "The Plan" fünf Wochen in Vancouver verbrachte und den Requisitenbestand der Produktion ablichten konnte und aus den Aufnahme eine Dia-Show für die FedCon zusammenstellte.
Das erste, was dem Fotografen auffiel: Wenn man in der kanadischen Stadt ankommt, ist man in Caprica. Man erkennt so viele Orte sofort wieder, dass man sich direkt in den zwölf Kolonien angekommen fühlt. Das zweite Aha-Erlebnis dann am Studiogelände selbst: Nachdem man am Pförtner vorbei ist, kann man sich auf dem riesigen Areal frei bewegen und auch fotografieren. Neben "Battlestar" wurden auch "Eureka" und "Smallville" gedreht, so das Philip auch einen Blick auf die Kulissen dieser Serien werfen konnte.
Philipp erzählte, dass er den kompletten Bestand an BSG-Requisiten fotografierte. Insgesamt hatte er ca. 2000 Objekte, davon 500 Kostüme vor der Linse seiner Kamera. Besonders beeindruckt war er von den noch stehenden Sets. Im Allgemeinen waren die Kulissen nämlich rund herum bespielbar, teilweise waren sogar die Decken ausgestaltet. Wenn die Sets geschlossen waren, fühlte man sich dadurch, als wäre man wirklich auf der Galactica.
Am Beispiel eines Fotos von Adamas Büro erklärte Josef Philip, dass die Kulissen bis zur zweiten Staffel der Serie ganz traditionell mit Papier und Bleistift entworfen wurden. Später sei man dann dazu übergegangen, die Drehorte am Computer als 3D Modelle zu entwerfen.
Der Altar und der EinkaufswagenUnd wie bekam der Fotograf die Requisiten zum Fotografieren? Er zog mit einem Einkaufswagen durch die Sets und Lagerräume und nahm, was gerade nicht anderweitig gebraucht wurde: Die Pilotenhelme im Wert von je 10.000 Dollar, mit Filmblut verschmierte Uniformen, die beiden Unterschiften-Platten der Blackbird, ... alles landete in seinem Einkaufswagen. Und vom Einkaufswagen direkt auf den Altar. Denn da Philipp keinen Fototisch in den Lagerräumen hatte, wurde kurzerhand eine Altarrequisite umgewidmet. Das ging dann so lange gut, bis sie bei den Dreharbeiten gesucht wurde und erst nach Tagen beim Fotografen wiederentdeckt wurde.
Auffällig an den Sets war: Die stehenden Kulissen, also zum Beispiel das CIC oder die Colonial One waren sehr detailliert gestaltet, während die Sets, die nur vorübergehend verwendet wurden, deutlich sparsamer entworfen wurden. Für den Kommandostand der Pegasus wollte man aber eine beeindruckende Kulisse haben, die eigentlich unbezahlbar gewesen wäre. Was also tun? Man fand in einer Lagerhalle Kulissen, die für eine Neuauflage der Serie "Lost in Space" gebaut worden waren. Da der Pilotfilm aber nicht ausgestrahlt wurde, waren diese Kulissen noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Sie wurden also kurzerhand auf den "Galactica"-Stil umdekoriert und benutzt. Tighs Quartier war übrigens auch das gleiche Quartier wie das von Admiral Adama. Es wurde lediglich mit einer weiteren Wand verkleinert und anders eingerichtet.
Die inoffizielle Set TourNach dieser Einleitung setzte Josef Philip seinen Vortrag mit dem Abschnitt "Inoffizielle Set Tour" fort. Die größte Kulisse war vermutlich das CIC. Wie bei anderen Sets auch gibt das ganze ohne Licht nicht viel her. Aber wenn einmal die Beleuchtung an ist und die etwas 30 Computer im Kommandostand eingeschaltet sind, dann ist es nur noch beeindruckend.
Auf Knopfdruck konnten dann Computerprogramme gestartet werden, die die Bildschirme mit Anzeigen füllten und so zum Beispiel einen massiven Zylonenangriff simulieren konnten. Nur Gaeta hatte Pech: An seinem Platz stand kein echter Computer, lediglich auf einem Bildschirm wurde eine Dradis Anzeige simuliert und ansonsten passierte dort nichts. Es muss also für Alessandro Juliani recht langweilig an seinem Platz gewesen sein.
Da das CIC drei Stunden später mit Bulldozern abgerissen wurde, was Philip vermutlich einer der letzten Menschen, die im CIC waren und fotografiert haben. Und das zu einem Zeitpunkt, als noch unglaublich viele Details vorhanden waren. So fand der Fotograf beispielsweise in einem Mülleimer den Zettel, auf dem jemand für Adama aufgeschrieben hatte: "There are 12 Models".
Eine gleichfalls beeindruckende Kulisse war das Hangardeck. Allein der in Wirklichkeit aufgebaute Teil war riesig, für den Fernsehschirm wurde der Effekt aber noch verbessert: Am Ende der Kulisse befanden sich grüne Vorhänge, so das mit Hilfe von Green-Screen-Effekten sogenannte Set Extensions per Computer eingefügt werden konnten, die das Set optisch noch deutlich vergrößerten. Das Abreißen des Hangerdecks dauerte dennoch nur einen halben Tag und kaum das die Halle wieder frei war zog Roland Emmerich ein, für den Kulissen für "2012" aufgebaut wurden.
Die Korridor-Kulissen waren verwirrend und wenn man sich nicht auskannte, fand man nur schwer aus ihnen wieder heraus. Etliche Türen führten einfach nirgendwo hin, einige in andere Kulissen, aber einen Ausgang konnte man nicht leicht finden. Übrigens wurden die Türen aus einem leichten Kunststoffmaterial hergestellt. Der schwere Metallklang, den die Türen erzeugen, wird erst in der Post Production zugefügt.
Die Präsidentin im ContainerÜberrascht war Philip von der Colonial-One-Kulisse. Da der Platz für alle Kulissen nie wirklich ausreichend war, wurde das Raumschiff der Präsidentin in einer Art Container aufgebaut, der zum Drehen aufgeklappt werden konnte. Das ganze war sehr beengt. Philip selbst konnte nur in der Mitte des Raumschiffes aufrecht stehen, sobald er zwei Schritte zur Seite machte, musste er schon seinen Kopf einziehen. Wurde die Colonial One nicht benötigt, so wurde der Container zugeklappt, eine Plane darüber gezogen und auf dem Hof gelagert.
Erlebnisse mit Schauspielern hatten den Fotografen ebenfalls fasziniert: Die BSG-Darsteller waren natürlich oft in ihren Kostümen zu sehen, so das Josef Philip beispielsweise ein Foto mit Michael Hogan in seiner Kostümierung als Colonel Tigh vorweisen konnte. Außerdem kam eines Tages Robert Picardo vorbei und durfte die Sets besichtigen. Als er dann eine Uniform ausprobieren wollte, stellte sich heraus, dass ihm Starbucks Kleidung am besten passte.
Philip berichtete dann, dass viele Schauspieler versucht haben, Kleinigkeiten vom Set mitzunehmen. Grace Park wurde zum Beispiel erwischt, als sie mit einem Karton durch die Kulissen zog. Sie behauptete dann, sie habe beim Zusammenpacken helfen wollten. Grace Park gehörte dann auch zu den Schauspielern, die mehrere Requisiten bei den offiziellen Versteigerungen gekauft hatten.
Die offizielle Set TourWeiter ging es mit Fotos aus der offiziellen Settour. Josef Philip zeigte unter anderem Fotos, auf denen die Empore des CIC oder auch der War room zu sehen waren, beides Kulissen, die in der Serie nur selten zu sehen waren. Die Empore wurde nicht oft benutzt, weil die Statisten, die benötigt wurden, um sie zu füllen zu kostspielig waren und der War room war für die Kameraleute nur schwer zugänglich. Ebenfalls selten verwendet wurde die Möglichkeit, das Dradis rauf und runter zu fahren. Hier war der Grund die Tatsache, dass die Koordination der Bewegungen des Dradis mit dem ganzen Rest sehr schwierig war und viel Zeit kostete.
Philip erläuterte dann die Requisitenbeschaffung: Zum Beispiel kaufte die Produktionscrew Adamas Möbel bei der Antiquitäten Handelskette Homesense oder Teppiche bei IKEA. Bei der Auktion könnten dann enorme Wertsteigerungen realisiert werden: Ein Teppich aus dem schwedischen Möbelhaus zum Preis von 149$ wurde bei der Auktion für 2.000$ verkauft. Adamas Schreibtisch, der für 2.500$ gekauft wurde, wurde für 100.000 verkauft. Auch die Lampe von Roslins Schreibtisch kann man für kleines Geld bei IKEA kaufen.
Adamas Gemälde, das den ersten Zylonenkrieg zeigte, wurde für 16.000$ verkauft. Insgesamt gab es von dem Bild vier Exemplare, von denen Philip eines mit nach Hause nehmen durfte. Außerdem wollte der Fotograf auch noch etwas vom Set mitnehmen. Er suchte einen Gegenstand, von dem er glaubte, dass er sowieso nicht versteigert werden würde und entschied sich schließlich für den Klopapier-Halter aus Adamas Bad. Was bei den Badezimmern in den Kulissen unbedingt beachtet werden musste: Sie funktionieren nicht wirklich. Sie sind also nicht ans Wassernetz oder die Kanalisation angeschlossen. Leider wussten das nicht immer alle.
Einige Gegenstände hat Universal aber auch für das eigene Archiv behalten: So wurde zum Beispiel die Tafel, auf der Roslin die Anzahl an Überlebenden festhielt, nicht versteigert.
RaumschiffeDaran anschließend zeigte Philip Fotos der kleineren Raumschiffe. Die Blackbird aus der Folge "Flight of the Phoenix" wurde zum Beispiel auf dem Rahmen einer Viper gebaut. Die Viper-Raumjäger waren auf Grund ihrer Bauweise sehr empfindlich. Im Wesentlichen bestanden sie aus Styropor, das an der Rahmenkonstruktion befestigt wurde. Lediglich bei der so genannten Hero-Viper war das Cockpit stabil und innen ausgebaut. Wenn dann ein sehr kleiner Mensch die riesige Viper mit einer Hand durch die Gegend schieben kann, wirkt das doch sehr desillusionierend. Der Raptor dagegen war eine beeindruckende Illusion: verschiedene Knöpfe starteten Computerprogramme, die bestimmte Bildschirmanzeigen erzeugte, so dass das sehr echt wirkte.
Auch der zweite Teil des Panels am Sonntag morgen war dann wieder mit zahlreichen Anekdoten gespickt. Philip berichtete, dass von vielen Kostümen zwei Versionen existierten. Der Grund dafür? Wegen der enormen Hitze im Studio hatten einige Schauspieler ihre Hosen unterhalb der Knie abgeschnitten. Damit waren die Kostüme für Ganzkörperaufnahmen natürlich nicht mehr zu gebrauchen und ein weiteres Exemplar musste beschafft werden.
Auch zu den Dog Tags gab es interessantes zu berichten. Ein Satz besteht normalerweise aus zwei Erkennungsmarken, die oft aneinander schlagen und klimpern. Um dies zu verhindern, wurden sie einfach hinten aneinander geklebt.
Zu den Handfeuerwaffen wusste Josef Philip zu erzählen, dass bei Feuergefechten immer echte Waffen verwenden wurden. Nur wenn die Waffen im Holster steckten, wurden Repliken eingesetzt. Außerdem war immer ein Waffenexperte vor Ort. Die Schauspieler probten die Szenen mit Nachbildungen ihrer Waffen, und wenn alles perfekt einstudiert war, bekamen sie vom Waffenfachmann die richtigen Waffen.
Auch von einer der wichtigsten Requisiten, besonders der letzten "Battlestar Galactica"-Staffel, gibt es eine echte und eine nachgebildete Version: der Zylonenwanne. Zum einen eine billige Version aus Styropor, die unter dem gleichen Problem litt wie alle Bauten aus dem Leichtmaterial: Sie war sehr empfindlich und wurde oft beschädigt. Außerdem eine deutlich teurere Wanne, die dann auch tatsächlich benutzt werden konnte.
Wie bei allen anderen Ausstattungsstücken musste auch bei den Flaggen der Kolonien auf die Kosten geachtet werden. Gedruckt wurden alle Fahnen bei einem örtlichen Flaggenhersteller. Aber nur die wichtigsten Flaggen, wie zum Beispiel die, die bei Beerdigungen verwendet wurden, waren komplett mit den Symbolen der Kolonien gestaltet. Viele der anderen Flaggen verfügten nicht über das Symbol.
Die AuktionPhilip schilderte aber nicht nur seinen Fotoerlebnisse. Er konnte auch einiges zu den Auktionen erzählen. Dabei wurde das meiste Geld über die eBay-Auktionen umgesetzt. Lediglich 20% der Käufer fanden den Weg zu den Liveauktionen. Beispielsweise waren Michael Hogan und Richard Hatch vor Ort. Hatch lies bei dieser Gelegenheit endlich ein Foto von sich selbst in einer Viper machen und Hogan bekam eine Collage mit seinen Dog Tags, Abzeichen und Namensschild geschenkt.
Die Atmosphäre bei den Live-Auktionen war insgesamt natürlich seht stark von "Battlestar Galactica" geprägt. Viele Bieter trugen BSG-Uniformen und sogar die Bieterstäbe waren sechseckig und mit "Battlestar"-Logo verziert. Die Ausstellung war im Hangardeck aufgebaut, wo auch ganze Räume aus der Serie wieder aufgebaut worden waren.
Die Raptoren und Viper stellten sich jedoch auf Grund des hohen Mindestgebotes als unverkäufich heraus, auch wenn ein deutsches Museum fast eines der Raumschiffe ersteigert hätte. Statt dessen soll nun irgendwann einmal eine Tournee mit Raptoren und Vipern gemacht werden, so das Fans die Gelegenheit bekommen, die Schiffe aus der Nähe zu sehen oder sogar in sie einzusteigen.
Eines der schockierensten Erlebnisse für einen der Prop-Verantwortlichen: Der Stift, mit dem Gaeta Baltar in den Hals sticht, wurde für über 600 Dollar versteigert. Schockierend war das, weil er im Einkauf nicht mal zwei Dollar gekostet hatte...
Weiterführende Links:
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FedCon 19 Nachbesprechung im Forum von CC